Die Lynx R-1 im Detail: Vor- und Nachteile der neuesten standalone Mixed Reality Technologie

Die Lynx R-1 im Detail: Vor- und Nachteile der neuesten standalone Mixed Reality Technologie

Veröffentlicht: 22-03-2024
Aktualisiert: 25-03-2024

In diesem Artikel :

Einführung

Dieser Artikel taucht in die Lynx R-1 ein, ein lang erwartetes standalone Mixed Reality Headset von Lynx, das sein eigenständiges Design, seine Spezifikationen und das Gleichgewicht zwischen Mobilität und Leistung erkundet. Wir werden seine einzigartigen Funktionen wie den VR/AR-Moduswechsel, den Snapdragon XR2-Prozessor und die fortschrittlichen Tracking Fähigkeiten, sowie die Vorteile seiner standalone Natur untersuchen. Schauen wir uns an, was diese Technologie mit sich bringt und wie sie weitere Möglichkeiten im Bereich der Mixed Reality eröffnen kann.

Die Lynx R-1 Spezifikationen

Hier ist eine Liste der Spezifikationen des Headsets:

  • Modus: VR/AR-Moduswechsel
  • Display: Dual-LCDs mit einer Auflösung von 1.600 × 1.600 pro Auge
  • Bildwiederholrate: 90 Hz
  • Linsen: Einzigartiges vierfaches katadioptrisches Freiformprisma-Design
  • Prozessor und Speicher: Betrieben von Snapdragon XR2 mit 6 GB RAM
  • Speicher: 128 GB erweiterbar über microSD
  • Konnektivität: Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.0
  • Batterielaufzeit: etwa 3 Stunden
  • Tracking und Eingabe: Fortschrittliches Inside-Out-Tracking und Hand-Tracking unterstützt von Ultraleap

Diese Spezifikationen bedeuten, dass Benutzer gestochen scharfe und flüssige Bilder, visuelle Tiefe und Klarheit sowie eine reibungslose Leistung erwarten können. Benutzer haben mehr als genug Platz für Apps und Medien sowie schnelle und stabile Konnektivität. Obwohl die Akkulaufzeit nur etwa 3 Stunden beträgt, ist auch eine längere Nutzung möglich. Dank der Tracking-Technologien bietet sie eine präzise und natürliche Interaktion in virtuellen Umgebungen.

Das Hardware-Design des Headsets ist funktional, aber nicht besonders komfortabel. Es hat ein leichtes Stirnpolster, das an einem Kopfband befestigt ist, sowie eine Kippfunktion für schnellen Zugriff auf die reale Welt, wobei die Gewichtsverteilung ausgewogen ist.

Quelle : ryanschultz.com

Das standalone Konzept: Unabhängigkeit und Flexibilität

Ein Schlüsselfaktor der Lynx R-1 ist ihre standalone Natur. Im Gegensatz zu anderen VR Headsets, die eine Verbindung zu einem PC oder einer Konsole erfordern, funktioniert die Lynx R-1 eigenständig. Dies hat offensichtliche Auswirkungen auf die erhöhte Mobilität des Benutzers. Das standalone Design ermöglicht es den Benutzern, virtuelle Räume zu erkunden, ohne an externe Hardware gebunden zu sein. Um die Hauptvorteile zusammenzufassen:

  • Die Fähigkeit des Geräts, zwischen VR- und AR-Modi zu wechseln, eröffnet ein breites Anwendungsspektrum in verschiedenen Bereichen wie Training und Bildung, Design, Prototyping oder technischen Bereichen wie Wartung und Architektur.
  • Das Fehlen von Kabeln oder externen Sensoren macht das Gerät einfach einzurichten und in verschiedenen Umgebungen zu verwenden.
  • Keine Notwendigkeit für zusätzliche Ausrüstung.

Innovation unter Einschränkungen: Designentscheidungen und Kompromisse

Das standalone Design hat viele Vorteile, aber die Gewichtung der Vorteile zeigt sich in Kompromissen, wenn es um die Leistung geht. Die Lynx R1 muss in ihrer kompakten Form Rechenleistung, Akkulaufzeit und Wärmeableitung unter einen Hut bringen. Das bedeutet, dass das Team die schwierige Aufgabe hatte, das richtige Gleichgewicht zwischen allen Merkmalen und Funktionen zu finden, ohne Kompromisse bei Design und Leistung einzugehen.

Rechenleistung und Akkulaufzeit: Die Lynx R-1 verlässt sich auf die interne Hardware für alle Verarbeitungen, einschließlich des Renderns der AR- und VR-Umgebungen, der Verfolgung von Bewegungen und der Verarbeitung von Handgesten. Das Headset wird mit dem Qualcomm XR2-Chipsatz betrieben, der eine zuverlässige Wahl für derartige Anwendungen darstellt, aber den Prozessor stark beansprucht. Dies wirkt sich auf die Akkulaufzeit aus – das Gerät bietet etwa 2 bis 3 Stunden Nutzungsdauer mit einer einzigen Ladung, was ein Kompromiss für seine kabellose Freiheit ist.

Belüftung: Das Wärmemanagement in einem kompakten tragbaren Gerät kann eine ziemliche Herausforderung darstellen. Die vom Prozessor und anderen Komponenten erzeugte Wärme muss unbedingt minimiert werden, da sie andernfalls zu Unbehagen beim Benutzer und einer möglichen Drosselung des Prozessors führen kann, was unweigerlich die Leistung beeinträchtigt. Die Belüftung der Lynx ist im Vergleich zur Konkurrenz relativ laut.

Kompromisse beim Design: Das Design des vorderen Partie des Geräts lässt die periphere Sicht für AR-Anwendungen intakt, ist aber weniger ideal für VR, wobei ein vollständiges Eintauchen in die Anwendung gewünscht ist. Um dieses Problem zu lösen, hat Lynx eine magnetische Aufsatz entwickelt, der für ein vollständiges Eintauchen in VR angebracht werden kann. Auf der einen Seite ist dies ein intelligenter Weg, um das Headset anpassungsfähig und in verschiedenen Modi zugänglich zu machen, aber es ist immer noch ein großer Nachteil, der zu einer eher unbequemen Passform aufgrund des befestigten Stirnelements führt.

Eingabe und Tracking: Es wird hauptsächlich Hand-Tracking als Steuerung verwendet. Die Hand-Tracking Technologie basiert auf der Technologie von Ultraleap und bietet eine natürliche Möglichkeit, mit der virtuellen Welt zu interagieren. Allerdings kann das Fehlen physischer Controller für bestimmte Anwendungen eingeschränkt sein. Hier müssen wir beachten, dass das Hand-Tracking von Lynx leider nicht mit anderen Mixed-Reality Headsets im gleichen Preissegment mithalten kann.

Um die Benutzererfahrung zu verbessern, kann zusätzliches Zubehör, wie die Finch-Controller verwendet werden, die mit der Lynx R1 kompatibel sind.

Quelle : ultraleap.com

Die Mixed-Reality Erlebnis: AR- und VR-Modus

Die Lynx R-1 bietet vielseitige Erlebnisse sowohl im Augmented- als auch im Virtual Reality Modus. Im AR-Modus nutzt das Headset seinen farbigen Passthrough, indem die reale Welt mit digitalen Inhalten überlagert wird. Der Passthrough ist im Bezug auf  Farbausgleich und Temperaturausgleich nicht sehr fein abgestimmt, liefert aber dennoch ein zufriedenstellendes Maß an Realismus. Das zuvor erwähnte Hand-Tracking von Ultraleap sticht im AR-Modus durch Präzision und Reaktionsfähigkeit hervor, die sich natürlich anfühlen und es Benutzern ermöglichen, virtuelle Objekte mit Leichtigkeit und Genauigkeit zu manipulieren.

Für den VR-Modus liefert Lynx einen Magnetischen Aufsatz, das vollständiges Eintauchen ermöglicht. Jedoch muss vor dem VR Modus dieser Aufsatz befestigt werden und dieser Aufsatz sitzt nicht sehr bequem auf dem Gesicht. Außerdem verfügt das Headset über ein einzigartiges Linsendesign, das vierfache katadioptrische Freiform-Prisma, was sicherlich innovativ ist, aber auch zu visuellen Verzerrungen führt. Die Benutzer benötigen unter Umständen mehr Zeit, um den visuellen “Sweet Spot” zu finden, und eventuell visuelle Störungen um die Faltenbereiche der Linse herum feststellen. Dies ist besonders im VR-Modus bemerkbar und kann das Erlebnis kurzzeitig stören.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass all dies durch laufende Softwarekorrekturen und -kalibrierungen angegangen wird. Diese sollen voraussichtlich insbesondere das VR Erlebnis verbessern.

Quelle : skarredghost.com

Lynx’ Softwarestrategie: Auf dem Weg zu einer offenen und vielfältigen XR-Entwicklung

Software-Ökosystem

Das Software-Ökosystem des Headsets basiert auf Android 10 und bietet eine stabile und bekannte Basis sowohl für Entwickler als auch für Benutzer. Die Integration des Unity SDK ist ein großer Pluspunkt – Unity ist eines der beliebtesten Game-Engines, die derzeit bei der Entwicklung von VR- und AR-Inhalten verwendet wird. Die Kompatibilität des Unity SDK erweitert signifikant den Umfang für diverse Inhalte für alle Entwickler, die mit Unity vertraut sind.

OpenXR-Unterstützung

Darüber hinaus unterstützt Lynx R-1 OpenXR, ein lizenzfreier Standard, der darauf abzielt, die AR- und VR-Entwicklung von Anwendungen zu vereinfachen, die mit verschiedenen Geräten und Plattformen kompatibel sind. Die Arbeit an der Standardisierung ist in der (derzeit noch) uneinheitlichen XR-Landschaft entscheidend und fördert eine breitere Akzeptanz und eine weitreichende Entwicklung von Inhalten.

Die Möglichkeit der Verwendung einer SDK (Software Development Kit) ist ein entscheidender Faktor für den potenziellen Erfolg von Lynx. Ein offenes SDK bringt Kreativität und Freiheit für Entwickler und könnte zu einem lebendigen Ökosystem von Anwendungen und Erfahrungen für alle Anwendungsfälle führen. Was jedoch den aktuellen Stand der Software und der Inhalte angeht, so befindet sich die Lynx R-1 in einer Entwicklungsphase, in der laufend daran gearbeitet wird, das Software-Ökosystem zu bereichern und die Inhaltsbibliothek zu erweitern. Die Zukunftsaussichten sind vielversprechend, vor allem bei einem derartigen Engagement für ein offenes Ökosystem.

Ein neuer Konkurrent im XR Beriech: Die Lynx R-1 vs Quest Pro

Was die Konkurrenz betrifft, so war der ursprüngliche Favorit die Meta Quest Pro, aber da sich in der Branche so viel tut, werden wir nicht allzu lange warten, bis etwas anderes erscheint. Aber im Vergleich zur Quest Pro sticht die Lynx R-1 auf mehreren Ebenen heraus:

  • Preis: Die Lynx R-1 ist mit 1299 Euro wettbewerbsfähig gepreist und die Preisstrategie dürfte ein breiteres Publikum ansprechen.
  • Funktionen: Beide Headsets bieten einen Mixed-Reality-Modus, aber Lynx verwendet vierfache katadioptrische Freiformprismenlinsen und ist ein standalone Gerät. Lynx kann auch problemlos zwischen VR- und AR-Modi wechseln, was diese Geräte voneinander abhebt.
  • Zielgruppe: Die Lynx R-1 verfügt über ein offenes SDK und ist mit populären Entwicklungsumgebungen kompatibel, was eine technisch versierte und entwicklerorientierte Zielgruppe anspricht. Die Meta Quest Pro, trotz ihrer breiteren Markenbekanntheit, spricht eher allgemeine Verbraucher an – solche mit höheren Erwartungen an die Qualität von Unterhaltungs- und Produktivitätsfunktionen sowie solche, die bereits in das Meta-Ökosystem investiert haben.

Abschließende Bewertung

Aus persönlicher Sicht sind die Stärken und das Potenzial des Headsets offensichtlich. Die AR-Funktionalität in Kombination mit dem außergewöhnlichen Hand-Tracking Möglichkeiten für interaktive Anwendungen und Immersion eröffnet.

Der VR-Modus, der derzeit einige optische Herausforderungen hat, zeigt Potenzial, insbesondere angesichts der laufenden Bemühungen, die Linsentechnologie und die Software zu verbessern.

Die Möglichkeit, problemlos zwischen AR und VR zu wechseln, trägt zur Vielseitigkeit des Headsets bei und macht es für eine Vielzahl von Anwendungen in verschiedenen Bereichen geeignet.

Dennoch handelt es sich um eine aufstrebende Technologie mit klaren Verbesserungsbereichen, die in diesem Fall insbesondere in der Optimierung des VR-Erlebnisses liegen, um die hohen Standards seiner eigenen AR-Fähigkeiten und der Standards anderer Geräte in verschiedenen XR-Modalitäten zu erfüllen. 

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Petra Palusova

Geschrieben von Petra Palusova

Petra Palusova is writer for the VRX blog with an affinity for all-things-XR. Architect, systems scientist specialized in XR and synthetic environments, Petra is currently active as a product design lead, advisor and researcher delivering best practices, communications and business strategies to technology companies building XR products and platforms. A true jack of all trades!